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Vorlesen - 4 ungewöhnliche Tipps, die wirklich wichtig sind

Aktualisiert: 28. Jan.

Hast du sie auch bekommen? Die Empfehlung, deinen Kindern vorzulesen? Vom Kindergarten oder spätestens von der Schule? „Lesen Sie bitte ihren Kindern vor. Das schult das sprachliche Verständnis und weckt schon früh das Interesse an Büchern und dem geschriebenen Wort.“

Na bitte, jetzt wissen wir es!

Tatsächlich empfiehlt auch das Ministerium für Bildung: „Kinder, die mit Büchern und Geschichten aufwachsen, lernen selbst besser Lesen, haben mehr Spaß am Lesen und meistern ihren Bildungsweg erfolgreicher.“ www.bmbf.de/

Und dann stehst du vor dem vollgestopften Bücherregal in der Bücherei oder in der Buchhandlung und bist komplett überfordert, während dein Kind gerade das Fach mit den Kochbüchern leert, alle Bände auf dem Boden verteil und dabei vor Vergnügen quietscht …

Nein, das macht keinen Spaß. Und Spaß machen soll es, das Vorlesen, unbedingt!


4 Vorlesetipps für dich


Tipps zum Vorlesen
Kosmo liest gerne vor!

Mir ging es auch so. Ich wollte es unbedingt richtigmachen. Doch dann wurde es verkrampft und anstrengend. Was dazu führte, dass ich immer weniger vorgelesen habe. Das war schade! Also habe ich mich auf die Suche gemacht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich entdeckt habe, was beim Vorlesen wirklich richtig und wichtig ist. Nun habe ich hier 4 wichtige Vorlesetipps für dich:




1. Frage dich, warum du deinem Kind vorlesen willst

Warum möchtest du vorlesen? Weil es KiTa und Schule empfohlen haben? Oder vielleicht, weil du dir für dein Kind all diese Kompetenzen wünschst, die durch das Vorlesen gefördert werden? Es sind schließlich eine Menge. Beginnend vom

Vielleicht liest du gerne selbst? Magst du Geschichten? Oder geht es dir mehr um Sachinformationen?

Egal warum du vorlesen willst. Vielleicht magst du es ja auch nur machen, weil die Kindergärtnerin so nett ist oder Tante Agatha sich so viel Mühe gemacht hat, das Buch für dein Kind auszusuchen. Alles darf sein. Wichtig ist, dass du überhaupt einen Grund hast. Eine Motivation, die dich dazu antreibt. Spüre in dich hinein. Mach dir diese Motivation wirklich bewusst. Denn Vorlesen ist nicht wie Fenster putzen. Einmal gemacht, man sieht das Ergebnis, es hält ein halbes Jahr. Nein, hier geht es nicht darum, nur selten vorzulesen. Sondern oft. Das Ergebnis ist auch nicht messbar. Weder wird dein Kind direkt nach dem Einmalvorlesen eine gute Note schreiben noch sich im Anschluss nur noch Bücher zum Geburtstag wünschen. Deshalb ist es wichtig, dass du selbst, für dich, weißt, warum du es tust.


2. Die Buchauswahl

Zurück zum Bücherregal. Welches Buch soll es denn jetzt sein? Bestimmt kannst du die nette Verkäuferin fragen, die gerade die Kochbücher wieder aufsammelt. Bestimmt wird sie dir ein tolles Kinderbuch für die Altersklasse deines Kindes empfehlen. Oder sogar mehrere.

Doch auch hier gilt: Welches Buch gefällt dir denn? Bitte denke daran: Ein Kind möchte ein Buch meistens nicht nur einmal vorgelesen bekommen. Sie lieben die Wiederholung. Bei jedem neuen Lesen nehmen Kinder etwas Neues darin wahr. Suche dir also unbedingt ein Buch aus, von dem du sicher bist, dass du nicht schon beim ersten Lesen einschläfst und spätestens beim dritten Mal das Buch mit Schwung gegen die Wand werfen willst. Das wäre zum einen schade um das Buch. Zum anderen auch schade um die Lesefreude, die du ja eigentlich vermitteln willst. Also dieses Buch oder jenes? Oder fällt dein Blick gerade auf dieses eine Kochbuch am Boden? Hast du deinem Kind schonmal Kochrezepte vorgelesen? Ich schon! Dabei hatten wir beide einen so leckeren Geschmack von gebackener Banane mit Vanilleeis auf der Zunge. Und unser Lieblingsleserezept für „Parpadelle mit Huhn und Steinpilzen“ kann ich immer noch auswendig!

Anmerkung: Nein, ich esse kein Fleisch. Und dieses Rezept habe ich nie gekocht. Aber wir dachten dabei an eine Fee namens Parpadelle, die auf einem rosa Huhn zu den Steinen ritt, auf denen riesige Zauberpilze wuchsen ….


3. Vorlesen – oder doch lieber …

Zugegeben – bei manchen Büchern begeistern mich mehr die Bilder als die Geschichten. Dann lasse ich das mit dem Text. Dann gucken wir eben lieber die Bilder. Manchmal fällt mir zu gerade diesem einen Satz eine eigene Geschichte ein. Oder meinem Kind. Dann reden wir. Denn es geht nicht darum, stupide jedes einzelne Wort vorzulesen, dass der Autor/die Autorin da hingeschrieben hat. Nicht jedes davon wurde zuvor auf die Goldwaage gelegt (als Autorin weiß ich, wovon ich hier rede). Die Geschichten dürfen lebendig werden. Sie lieben den Austausch. Sie sind auch nicht böse, wenn es nachher mehr Spaß macht, das passende Ausmalbild anzumalen oder die Bastelidee umzusetzen. Gehe mit dem, was dir und deinem Kind gerade jetzt Freude bereitet. Besser geht es nicht!


4. Zeit und Ort und Zappelkinder

Meine beiden Kinder lieben es, im Bett vorgelesen zu bekommen. Natürlich sitze ich dann nicht „klassisch“ am Bettrand. Sondern quetsche mich dazwischen. Schließlich will ich es auch warm und kuschelig dabei haben! Es ist auch etwas anderes, wenn ich als Autorin auf der Bühne stehe. Dann verstelle ich die Stimme, lese langsam und betont, jede Lesung wird zu einer Art Theaterstück. Aber das beinahe jeden Abend? Manchmal eine halbe Stunde oder länger? Nein, das schaffe ich nicht! Ich lese so, wie ich auch leise lesen würde, nur eben laut. Das ist nie perfekt. Auch für mich sind es ja meistens ungeübte Texte. Aber das darf es ja auch! Warum sollte das Vorlesen perfekt sein? Wenn ich mich verlese, dann lachen wir eben darüber. Und weiter geht‘s!

Mein Sohn hat mich allerdings beim Vorlesen tagsüber vor gewisse Probleme gestellt, Bei meiner Tochter – wunderbar, stundenlanges gemeinsames Kuscheln und Abtauchen auf dem Sofa. Bei meinem Sohn geht das ungefähr zwei Minuten lang. Dann steht er auf. Hüpft umher. Spielt mit einem Ball. Bastelt einen Papierflieger. Aber wenn ich frage: „Soll ich weiterlesen?“, dann antwortet er: „Klar, Mama, warum fragst du?“ Mittlerweile weiß ich, dass er sie braucht. Diese Bewegung nebenher. Das Tun. Und dass er trotzdem alles aufnimmt, was ich lese. Dass er es trotzdem sehr mag. Wir haben nur eine einzige Vereinbarung: Wenn er singt oder andere laute Geräusche macht, dann lese ich nicht weiter.


Meine größte Erkenntnis beim Vorlesen

Beim Vorlesen geht es nicht in erster Linie um die Vermittlung von Kompetenzen. Ich finde auch das „Wie“ herzlich egal. Spaß soll es machen – meinem Kind und vor allem mir selbst. Und wenn ich noch genauer schaue, dann geht es auch um die Verbindung, die es schafft. Die Verbindung zwischen mir und meinem Kind. Wir machen etwas gemeinsam. Etwas Schönes. Etwas, dass wir beide in diesem Moment teilen. Ich lasse das Kochbuch sinken. Schaue auf meine Kids, die beim Vorlesen fest eingeschlafen sind. Und spüre Liebe und Dankbarkeit für diese gemeinsam verbrachte Zeit. Ganz tief.

Vorlesen im Spinnlabor!


Kinderbücher vorlesen mit Florentine Hein
Autorin Tine liest gerne vor!

Autorin Tine schreibt Kindergeschichten und Bücher und liest sie natürlich auch sehr gerne vor! Zusammen mit Illustratorin Bine und Labormaus Kosmo möchte sie damit vor allem die Fantasie und die Freude am Lesen fördern. Deshalb gibt es zu ihren Geschichten auch Ausmalbilder, Bastelideen und vieles mehr. Schau doch mal vorbei: www.spinnlabor.de

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